Chronik der Spielvereinigung 1926 Rheidt e.V.

 

Nur wenige renommierte Großstadtvereine können ihre Vereinsgeschichte auf direkte Einflüsse aus dem Mutterland des modernen Fußballs zurückführen. So ist es eine rühmliche Ausnahme, dass die Geschichte der Spielvereinigung 1926 Rheidt e.V. mit ersten Kickversuchen auf den Wiesen und Weiden von Rheidt-Hüchelhoven gegen britische Lehrmeister begann.

1918/19 machten englische und schottische Besatzungssoldaten die Dorfjugend mit dem runden Leder erstmals vertraut. Diese " Entwicklungshilfe " wirkte weiter nach, denn Hans Braschoss überließ den fußballbegeisterten Jungen eine Weide als ersten Spielplatz. Doch damit war eine Bedingung verbunden, die Mitgliedschaft als Jugendgruppe des kameradschaftlichen Kriegervereins.

Indes die Heimat der jungen Fußballer war nicht so recht dieser Verein der Kriegsveteranen sondern ein eigener Klub, denn lieber auf eigenen Füßen stehen als finanziell  auf Rosen gebettet und unter der Obhut des armen Kriegervereins. So gingen die jungen Männer den schweren Weg und gründeten  ihren eigenen Verein, die Spielvereinigung Rheidt und wählten erstmals mit Jakob Kelzenberg einen 1.Vorsitzenden.Sofort tauchten Schwierigkeiten auf. Der angestrebte Anschluss an die Deutsche Jugendkraft (DJK), den blühenden Dachverband katholischer Sportvereine, wurde blockiert, denn der damalige Pfarrherr Pastor Pesch befürwortete diesen Schritt nicht, da einige Vorstandsmitglieder nicht regelmäßig in die Kirche gingen. Doch Hindernisse waren für die Gründerväter der Spielvereinigung da, um überwunden zu werden. Höchstens 30 Mitglieder umfasste der junge Verein, da herrschte in der Kasse oft Ebbe, denn die Fußball-Freunde mussten erst einmal einen festen Sportplatz finden und herrichten. Mit Picke und Schaufel schafften sie ihre eigene Anlage. Die Tore wurden aufgestellt, das Stück für 18 Rentenmark, damals ein kleines Vermögen.

Vereinsmitgründer Christian Pütz und der spätere Ehrenvorsitzende Heinz Kames in einem Trikot, das 1936 auf einem Turnier in Kirchtroisdorf  gegen Jackerath gewonnen wurde.

Noch immer glaubte man, der DJK beitreten zu können, deren Verbandsmitglieder eigene Spiel-runden austrugen und mit dem bürgerlichen Westdeutschen Spielverein keinen Kontakt hatten. So wurde auch das erste Spiel in der Geschichte der Spielvereinigung gegen die DJK Gillbachkraft Nettesheim ausgetragen. Die Rheidter Kämpen traten in langen Hosen und Arbeitsschuhen an, ein Anblick, der den Kampfeseifer dieser offiziellen Premiere nicht trübte. Übrigens, die Spielvereinigung verlor knapp 1:4, doch das Rückspiel brachte mit 12:0 eine deutliche Rheidter Revanche. 

Ein erstes Erfolgserlebnis. Das erste Jahr des jungen Vereins war auch dem sportlichen Aufbau durch Freundschaftsspiele gewidmet. Doch schon 1927 nahm die Spielvereinigung 1926 Rheidt e.V., inzwischen Mitglied des Westdeutschen Spielverbandes, an den Rundenspielen der 3. Gauklasse Düren teil und wurde sogar Gruppendritter.

 1.Mannschaft von 1936/37: 

 

vlnr, stehend:

Alois Rieder ; Adolf Getz; Mathias Kaltenberg; Stephan Rauwald; Hans Skarbezka;

Gerhard Brüggen; Heinz Kames; Peter van den Brock; Willi Getz; Bernhard Kremer;

kniend:

Heinrich Kremer; Willi Hemmersbach; Christian Pütz

 

Im Jahr 1931 wurde der Sportplatz hinter dem Bahndamm angelegt. Da das Gelände ein sehr starkes Gefälle aufwies, wurde mit Unterstützung der Fa. Pick aus Bergheim und dem Spieler Franz Burzinski, die Fläche fußballtauglich hergerichtet. Das hierfür benötigte Erdreich schaffte Franz Burzinski mit Loren in mühevoller Arbeit herbei.

 

Die Chronik des Vereins aber vermeldet bald eine Durststrecke. Nach 1932 -  so heißt es in den handschriftlichen Aufzeichnungen - " trat eine Krise ein, hervor-gerufen durch Spielermangel, Disziplinlosigkeiten einzelner Spieler und dem Geldmangel als steten Begleiter ". Auch die Machtergreifung der NSDAP, im Jahr 1933, beeinflusste das Vereinsleben negativ. Doch der Aufschwung kam. 1934/35 stieg durch intensive Mitgliederwerbung die Zahl der Vereinsangehörigen auf 75, die sportlichen Veranstaltungen nahmen zu und gewannen durch die ersten Kontakte über die Grenzen der damaligen Rheinprovinz hinaus an Attraktivität, als man Fußballer aus Gildehaus empfing. Für die respektable Summe von 1000 Reichsmark wurde 1935 der Sportplatz umzäunt. Doch schon drei Jahre später wurde der Zaun abgerissen " wegen Unrentabilität und zu großer Unterhaltungskosten". Inzwischen bildete sich auch eine zweite Mannschaft heran.   

1940 begann der große Aderlass, die aktiven Spieler wurden zur Wehrmacht eingezogen. Der Krieg forderte seinen Tribut auf mehrfache Weise. Fußball wurde nur noch von Kindern und Jugendlichen betrieben und am Ende dieser unseligen Zeit beklagte der Verein 20 Gefallene und 6 Vermisste. Der Wahnsinn des Krieges brachte auch der Spielvereinigung 1926 Rheidt e.V. fast den Zusammenbruch.

So mussten die Überlebenden nach 1945 wieder von vorne anfangen. Ohne die erfahrenen Freunde, die im Krieg geblieben waren, ohne Geld und Sportgeräte begann es auf einem verwahrlosten und zerstörten Platz. Aber wieder triumphierten Selbsthilfe und Idealismus, sie hauchten der Spielvereinigung neues Leben ein. Das erste Spiel fand in Stommeln statt.

Bald wurde der Spielbetrieb mit zwei aktiven Mannschaften und einer Jugend aufgenommen. Man fuhr auf Lastkraftwagen mit harten Holzbänken und zahlte dafür einen Unkostenbeitrag in Höhe von einer Mark.

25 Jahre nach Vereinsgründung, 1951, konnte der Neuaufbau mit dem Aufstieg zur 1. Kreisklasse gekrönt werden. Nicht allein die sportlichen Ergebnisse und die Zahl der Mannschaften, zu denen sich mehr und mehr Nachwuchsteams gesellten, kennzeichnen die Nachkriegsentwicklung, auch die Mitgliederzahlen beleuchten den Weg der Spielvereinigung Rheidt und sein Auf und Ab.

 1.Mannschaft von 1953:

 

vlnr, stehend:

Theo Vasen; Theo Franken; Everhard Kreischer; Hans Laskowski;                         Peter Kelzenberg; Peter Baus;

kniend:

 Heinz Abts; Johannes Schmitz; Josef Kelzenberg; Johann Franke; Peter Kapellen

Bei der Währungsreform 1948 gab es 150 Vereinsangehörige, danach sank die Mitgliederzahl auf 94 ab. 1966 war ein Tiefpunkt mit 64 " Zahlenden " erreicht.  Aber auch hier zeigte es sich, dass dieser Verein bereit war zu kämpfen. Ein Jahr später, trotz des Abstieges der Mannschaft von der  2. in die 3. Kreisklasse, gehörten 104 Bürger dem Verein an. Das Auf und Ab, die Wanderschaft zwischen den höheren und niederen Kreisklassen hielt in diesen Jahren an. Dennoch war die Spielvereinigung wieder als Verein gefestigt und wirkte auch im gesellschaftlichen Leben von Rheidt - Hüchelhoven mit.

Unvergessen auch, dass sich Heinrich Zensen bereits in den Fünfzigern, bis Mitte der sechziger Jahre um den Aufbau einer Jugendabteilung verdient machte. Er war Jugendleiter, Trainer und Betreuer in einer Person. In der Seniorenabteilung machte es die Freundschaft zur Busunternehmung Leo Schmitz aus Eckum möglich, dass gegen ein geringes Entgeld ( DM 1,00 ) Fans und Mannschaft gemeinsam zu den Auswärtsspielen fahren konnten. Die Jugendabteilung profitierte in dieser Zeit davon, dass sich Frau Irene Gödecke bereit erklärte, Jugendmannschaften zu den Auswärtsspielen zu fahren. Es kam gelegentlich sogar vor, dass Spieler im Kofferraum Platz nehmen mussten.

Am 13. Mai 1966 wurde der Schritt vom reinen Fußballverein weg vollzogen, als die Frauen-Turnriege in den Verein aufgenommen wurde.  Zwei Jahre später im Jahr 1968 war es dann soweit, der Abschied von der Sportanlage hinter der Bahn, unmittelbar neben der SAG gelegen, stand an. Der neue Sportplatz, in Hüchelhoven, wurde eingeweiht.                                                                                                                                                                

Die Spielvereinigung 1926 Rheidt e.V. hatte eine neue Heimat. Dass es dort noch kein Sportlerheim mit entsprechenden Umkleidemöglichkeiten gab, störte niemand. Man hatte ja sein Vereinslokal und Dank Familie Kelzenberg gab es dort gute Umkleide- und Duschmöglichkeiten. Ein ganz wichtiger Faktor war natürlich auch der kurze Weg  von der Dusche zur Theke, denn es gab immer etwas zu feiern, egal ob Sieg oder Niederlage.

Sechs Jahre später, 1974, bildete sich auf Initiative von Hans Dieter Krebs eine Basketballabteilung, die nach zwei Jahren bereits mit 4 Mannschaften für Männer, Jugendliche und Damen ein sportliches Erweiterungsangebot darstellte.  

vlnr, stehend:

G.Kaufhold; ? ; E.Keulertz; ? ; H.D.Krebs; B.Ress; Chr. Dappert

kniend:

 H.Bloch; H.Schmidt; U.Keulertz; S.Oßwald; C.Königs; K.Gladbach; M.Jansen

Das weibliche Element hatte sich bereits 1973 erheblich verstärkt, als Heinz Hülsmann junge Damen, die sich dem Fußball verschrieben, um sich scharte und das Wagnis einer Damen-Elf auf sich nahm.

Das Aushängeschild blieb die 1. Mannschaft, was nicht die bereits damals intensiv betriebene Jugendarbeit in den Hintergrund drängen soll, denn die Spielvereinigung hatte sich bereits zu dieser Zeit beim Nachwuchs-Fußball seit Jahren einen guten Namen gemacht. Der Weg der 1. Mannschaft in den 70er Jahren ging meist nach oben. 1970 erreichte sie die 2. Kreisklasse und schaffte im Durchmarsch wieder den Aufstieg in die 1. Kreisklasse. 17 Jahre hatte der Verein auf diesen Augenblick gewartet.

 

   

vlnr, stehend:

H.Frimmersdorf; H.J.Schüller; J.Muntz; G.Bauer; J.Keulertz; H.Pütz; K.Bloch; H.Baus; P.Pütz

kniend:

H.Oberlack; B.Schilling; P.Balven; H.J.Pütz; W.Kapellen; P.Kelzenberg; A.Hirsekorn; M.Abs

Doch postwendend kam der Abstieg, dem erneut der Wiederaufstieg 1973 in die Kreisliga A folgte. Unvergessen auch der Auftritt der Spielerfrauen und Freundinnen, die auf der Aufstiegsfeier, 1973, ihre Männer mit einheitlichen Kostümen in den Vereinsfarben überraschten. 

 

 

vlnr, stehend:

P.Pütz; P.Mühlenberg; H.Hülsmann; A.Enning; F.Pütz; H.J.Pütz; H.Frimmersdorf; H.Pütz; B.Schilling; F.Riepl; J.Ellerhorst

kniend:

C.Fieren; K.Bloch; G.Bloch; D.Decker; H.Bloch; M.Bloschack; H.Pütz

In der Folge wurde auch die lange Freundschaft zum BV Garrel, für den der langjährige Vorsitzende, Peter Pütz, auch aktiv spielte, wieder aufgefrischt. Es folgten regelmäßige Besuche in Garrel und selbstverständlich Gegenbesuche in Rheidt.    

Besuch aus Garrel

 

 

 

Der Kreisliga A gehörte die Spielvereinigung bis zur Saison 1989/90 ununterbrochen an und stellte in diesen Jahren auch immer eine 2. Mannschaft, die sich überwiegend in der 2. Kreisklasse recht wacker schlug. Dies ist um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass in diesen Jahren viele junge Fußballer der Spielvereinigung 1926 Rheidt von sogenannten großen Nachbarn abgeworben wurden und in den meist höherklassigen Vereinen zu den Leistungsträgern gehörten. Gerade in dieser Zeit hat sich gezeigt, dass nur mit gezielter Jugendarbeit der Spielbetrieb in den kleinen Traditionsvereinen fortgesetzt werden kann.

Durch die unmittelbare Nachbarschaft zum RWE und zu Rheinbraun schlossen sich dem Verein darüber hinaus eine große Anzahl von dort tätigen Monteuren, zumeist aus Jugoslawien, an und man war vorübergehend sogar in der Lage, eine 3. Seniorenmannschaft für den Spielbetrieb zu melden.

 

Zu den Höhepunkten der Vereinsgeschichte gehört unbestreitbar der 24. Mai 1974. Auf Initiative des damaligen 2. Vorsitzenden, Josef Ellerhorst, konnte nach langer Vorbereitungszeit die vereinseigene Flutlichtanlage - zu der die Gemeinde Hüchelhoven und der Kreis Bergheim-Erft insgesamt einen Zuschuss in Höhe von 17.000,00 DM beisteuerten - offiziell in Betrieb genommen werden. An dieser Stelle dürfen die Rentner und Freiwilligen nicht vergessen werden, die in vielen Stunden die Vorarbeiten, wie den Aushub der Fundamente und Kabelgräben sowie Verlegung des Kabels, übernommen hatten.

Unter dem Schein der Tiefstrahler von vier Masten rollte ein großes Programm ab, bei dem Spieler mit großen Namen von Funk, Fernsehen, der lokalen Politik und dem Sport sowie eine erstmals auftretende Prominentenelf des RWE Essen, ebenfalls auf Initiative von Josef Ellerhorst, die vorbildliche Anlage erprobten.

Im Jahr 1981 erhielt der Verein weiteren Zuwachs. Auf Initiative von Peter Bredow, Reiner Düppen, Karl-Heinz Bonk und Heinrich Schnee gründete sich die Tischtennisabteilung und schloss sich der Spielvereinigung 1926 Rheidt an.

Der Verein spielte wieder über Jahre hinweg ununterbrochen in der Kreisliga A . Zum 60-jährigen Bestehen veranstaltete man ein Turnier und der Ehren-vorsitzende Heinz Kames und dessen Sohn Karl-Heinz ließen es sich nicht nehmen, dem Verein eine Vereinsfahne zu stiften. Man war also wieder in der Lage, an den Umzügen innerhalb des Doppelortes mit einer eigenen Fahne teilzunehmen. Dies wurde von der Jugendabteilung besonders zu den Kirmesveranstaltungen gerne wahrgenommen.

Als es dann im Jahr 1986 auch noch gelang das Kreispokalfinale gegen den Landesligisten Jugend 07 Bergheim zu erreichen, schien der Verein auf einem guten Weg zu sein. Leider verlor man dieses Spiel sehr unglücklich mit 1:3 Toren. 

Aber das es im Sport neben Siegen auch Niederlagen zu verkraften und mit Anstand hinzunehmen gilt, zeigte die Saison 1989/90, in der man nach 17 Jahren in die Kreisliga B absteigen musste. Erstmals spielten beide Seniorenmannschaften der Spielvereinigung 1926 Rheidt in der gleichen Klasse und zwar in der Kreisliga B Nord.

Bei der am 19.1.1990 stattfindenden Jahreshauptversammlung trat auf Initiative von Georg Keulertz eine komplett neue Vorstandsmannschaft bei den Neuwahlen an. In Abwesenheit des 1. Vorsitzenden Josef Ellerhorst wurde Hermann Weilerswist zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Als erste Amtshandlung  trennte sich der neue Vorstand vom damaligen Trainer, dessen Aufwandsentschädigung den normalen Rahmen sprengte und der aufgrund der Kassenlage überhaupt nicht mehr zu bezahlen war. In dieser Notsituation war es Adolf Enning, der nicht lange überlegte und versuchte zu retten, was noch zu retten war. Leider war es ihm und der Mannschaft nicht vergönnt, den Klassenerhalt zu schaffen.

 

Im April 1990 ernannte der neue Vorstand den ehemaligen                         1. Vorsitzenden, Peter Pütz, zum Ehren-vorsitzenden.

Es herrschte wieder eine Art Aufbruchstimmung unter dem neuen Vorstand. Zu dessen Hauptaufgaben gehörte zunächst die Aufarbeitung vernachlässigter Mitgliederlisten, Meldung von Mitgliederzahlen an Verbände, verbunden mit der Beantragung von Zuschüssen, die scheinbar seit Jahren nicht mehr erfolgt waren. Eine Aufgabe, deren Bewältigung den vollen Einsatz der neuen Vorstandsmitglieder forderte.

In wöchentlichen Vorstandssitzungen wurden Probleme besprochen und noch zu erledigende Arbeiten aufgeteilt

Es war wieder einmal Pionierarbeit angesagt, denn der Verein zählte nur noch knapp 180 Mitglieder. Da das Barinkasso scheinbar nicht regelmäßig durchgeführt worden war, zahlten viele Mitglieder schon seit Jahren keinen Beitrag mehr. Außerdem stellte sich heraus, dass der vorherige Vorstand die Schadensersatzforderung eines Landwirtes aus dem Jahr 1986 nicht an die zuständige Versicherung weitergeleitet hatte. Auf Grund  eines rechtskräftigen Urteils des Amtsgerichts Bergheim, mussten die Gerichtskosten von ca. 700,00 DM und die Forderung des Landwirtes in Höhe von ca. 3.300,00 DM beglichen werden.

Somit herrschte fast wieder Ebbe in der sowieso kargen Kasse. Auf dem Kulanzwege erklärte sich die Sportversicherung nachträglich bereit noch einen Betrag von 1.000,00 DM zu übernehmen. Dies war aber letztlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Das sportliche Ziel, sofortiger Wiederaufstieg, wurde in der Saison 1990/91 mit dem 7.Tabellenplatz deutlich verfehlt. Und auch in der Saison 1991/92 schien man zunächst gegen die 2. Mannschaft aus Oberaußen das Nachsehen zu haben. Da aber Oberaußen in einem der letzten Spiele einen Spieler der 1. Seniorenmannschaft einsetzte, der für die 2. Mannschaft keine Spielberechtigung hatte, wurde gegen die Wertung dieses Spiels Einspruch eingelegt, den die Kreisspruchkammer aber abwies.

Der sofortige Einspruch gegen dieses Urteil vor der Bezirksspruchkammer in Düren, die im schriftlichen Verfahren zu Gunsten der Spielvereinigung 1926 Rheidt entschied, war aber immer noch nicht die Entscheidung um den Aufstieg, da Oberaußen nun wiederum Einspruch vor der Verbandsspruchkammer in Düren einlegte. Nachdem Oberaußen dort mit diesem Einspruch ebenfalls keinen Erfolg hatte, war das Ziel Wiederaufstieg endlich, wenn auch am grünen Tisch, geschafft.    

Mit diesem Aufstieg und den folgenden sportlich erfolgreichen Jahren ist die gute Jugendarbeit des Vereins eng verbunden und in einem Atemzug zu nennen. Noch im Jahr 1981 erinnerte die Jugendarbeit des Vereins stark an die schwierigen Anfangsjahre, in denen Geldmangel der stete Begleiter des Vereins war.  

Das sollte sich, so war es wenigstens der Wille einiger Unentwegter Ende 1982, gründlich ändern. Auf der Kegelbahn des Vereinslokals Kelzenberg fand man sich zusammen und hauchte der Jugendarbeit des Vereins förmlich neues Leben ein.

Mit Peter Keulertz aus Rheidt wurde ein erst 23-jähriger aktiver Spieler Jugendleiter, der eine gut harmonierende Mannschaft um sich versammelte. Dies zeigt nicht zuletzt die spontane Bereitschaft aller Anwesenden zur Anschaffung eines ersten neuen Trikotsatzes je 100,00 DM zu spenden.

Durch regelmäßige  Veranstaltungen, wie monatliche Discoabende im Sportlerheim, Jugendturniere, einem " Rheinischen Abend " in der Turnhalle und nicht zuletzt mit dem über die Ortsgrenzen hinaus bekannten Bayerischen Abend, wurden die notwendigen finanziellen Mittel beschafft, die es ermöglichten, die Jugendmannschaften stets mit Bällen, Trikots oder Trainingsanzügen zu versorgen. Im Jahr 1988 war es dann sogar möglich, den ersten Jugendbus mit Unterstützung der Bauunternehmung Karl-Heinz Bonk  zu erwerben.  

Es folgten regelmäßige Fahrten der Jugendmannschaften in die Jugendherberge nach Blankenheim sowie Zeltlager auf dem Sportplatz.  

Wieder einmal waren es, wie heute, viele überwiegend junge Leute, die für die Jugend unseres Doppelortes im Einsatz sind und ihre Freizeit opfern. Es sollte hier aber nicht verschwiegen werden, dass dies nur möglich war und ist, wenn die Lebensgefährtin, egal ob Ehefrau oder Freundin, die notwendige Unterstützung einbringt.

Eine erste Anerkennung hierfür erfolgte im Jahr 1990. Der Fußballverband Mittelrhein verlieh der Jugendabteilung der Spielvereinigung 1926 Rheidt e.V. für deren Verdienste um den Jugendsport die Ehrenurkunde der Sepp Herberger Stiftung.  

  

  Herberger.JPG (456203 Byte)

Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann sich bei diesem Aufwand auch die sportlichen Erfolge im Jugend- und Seniorenbereich einstellen würden. Die Spielvereinigung 1926 Rheidt e.V. war in dieser Zeit einer der wenigen Vereine im Fußballkreis 6 Bergheim, der Jugendmannschaften durchweg in allen Altersklassen stellen konnte.

Nach dem Aufstieg der 1. Mannschaft am grünen Tisch belegte diese in der Saison 1992/93 als Aufsteiger den 8. Tabellenplatz. Die 2. Mannschaft stieg leider aus der Kreisliga B-Süd ab.

Dennoch gab es auch  in diesem Jahr wieder einmal einen Festtag in der Vereinsgeschichte. Im August des Jahres 1993 war es endlich soweit, nach intensiven Planungen und Bauarbeiten konnte die neue Tribüne eingeweiht werden. Unter der Anleitung von Heinrich Schnee wurde ein regelrechtes Schmuckstück erstellt. Dass die Stadt Bergheim sich an diesem Neubau lediglich mit einem Zuschuss in Höhe von ca. 10.000,00 DM, die Kosten für das abbruchreife Kassenhaus, beteiligte und der Verein den kompletten Rest selber finanzierte spricht wohl für sich, wenn man bedenkt, mit welchem Kassenbestand der neue  Vorstand 1990 die Arbeit aufnahm.

Nachdem der auf der Jahreshauptversammlung 1990 neu gewählte Vorstand die Geschäfte wieder in geregelte Bahnen gelenkt und mit dem Tribünenbau ein weiteres Zeichen gesetzt hatte, stellten sich auch die sportlichen Erfolge ein, denn die 1. Mannschaft konnte sich in der Saison 1993/94 erneut um einen Platz auf Rang 7 verbessern. Die 2. Mannschaft belegte in der Kreisliga C-Nord den 3. Tabellenplatz.  

Auch wenn viele die Platzierungen der 1. Mannschaft als Grauzone der Kreisliga A bezeichneten, waren es gemessen an den Möglichkeiten des Vereins durchaus Erfolge, die sich sehen lassen konnten. Man sollte nicht vergessen, dass es inzwischen auch bei vielen kleinen Vereinen manche Mark mit Fußballspielen zu verdienen gab. Dass dies in Rheidt nicht möglich war und ist wird zwar von vielen  belächelt, dennoch sollte sich wenig später sehr deutlich zeigen, dass es auch heute noch ohne Bezahlung geht.     

Dass es weiter noch oben ging zeigte die Saison 1994/95, in der sich die 1. Mannschaft erneut, und zwar  auf Tabellenplatz 5, verbesserte. Die 2. Mannschaft wurde in der Kreisliga C-Süd Tabellenvierter.

Die anschließende Saison 1995/96 sollte dann zur bisher wohl Erfolgreichsten in der Vereinsgeschichte werden. Inzwischen hatten einige der sogenannten Eigengewächse, wie Dieter u. Helmut Bloschack,  Manfred Geuenich und Joachim Röttenbacher, um nur einige zu nennen, den Weg zurück zur Spielvereinigung 1926 Rheidt gefunden. Unter dem seit Juli 1994 tätigen Spielertrainer Guido Dittmann entwickelte sich eine gut harmonierende Mannschaft, die bereits zum Saisonauftakt den Lokalrivalen SV Niederaußem mit  4:2 nach Hause schickte.

Bereits hier zeigte sich zu welchen Leistungen die  Mannschaft fähig war. Als man dann auch noch über die Gegner Kenten, Kaster-Königshoven und den Bezirksligisten Viktoria Glesch zum 2. Mal in der Vereinsgeschichte das Kreispokalfinale erreichte, war schnell klar, diese Mannschaft hat mit der richtigen Einstellung  auch die Chance, Meister zu werden.  

Gegner im Pokalfinale, das nach einer Auslosung auf dem Sportplatz in Hüchelhoven stattfand, war am 3. Oktober 1995 der Verbandsligist Oberaußem-Fortuna. Vor über 450 Zuschauern machten Helmut  Bloschack und Mustafa Mansouri mit ihren Toren den Traum wahr und sicherten der Spielvereinigung 1926 Rheidt e.V. mit ihren Toren, nach Meinung der Presse und neutralen Zuschauer verdientermaßen, den 2:1 Sieg. Dass die Mannschaft trotz dieses Erfolges weiter konzentriert arbeitete und auch in der Meisterschaft weiter für Furore sorgte, zeugte von der Qualität des Teams und des Trainers. In der ersten Runde des DFB Pokals auf Mittelrheinebene traf man am 26.11.1995 auf den Eifeler Kreisligisten SpVg. Ländchen-Sieberath und siegte dort vor über 180 Zuschauern, davon mehr als 150 aus Rheidt, mit 3:0 Toren. Um den Wünschen aller Fans gerecht zu werden, wurden sogar 2 Busse gechartert. Man war für die 2. Runde qualifiziert in der am 20.  Januar 1996 der Oberligist FV Bad Honnef mit Trainer Heinz Hornig, dem ehemaligen Nationalspieler des 1. FC Köln,  seine Visitenkarte in Rheidt abgab. Auch in diesem Spiel, sicherlich ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte, war der SV Rheidt  laut Presse über lange Zeit ein gleichwertiger Gegner und geriet in der 78. Minute dennoch in Rückstand. Durch ein Tor, dass nach Meinung Vieler den Spielverlauf auf den Kopf stellte. In der 87. Minute, man drängte auf den Ausgleich, fiel dann mit dem 2:0 die Entscheidung zu Gunsten des Oberligisten, deren Trainer Heinz Hornig unsere zunächst natürlich enttäuschte Mannschaft über den grünen Klee lobte.  

Da man sich am letzten Spieltag der Vorrunde mit einem 7:1 Sieg in Kenten die Herbstmeisterschaft gesichert und nun nach dem Abenteuer Pokal ganz auf die Meisterschaft konzentrieren konnte, waren alle mit dem bisherigen Verlauf der Saison zufrieden.

Ein großes Ziel vor Augen steigerte sich die Mannschaft von Spiel zu Spiel und hatte es bereits am vorletzten Spieltag in der Hand, den Traum Aufstieg in die Bezirksliga perfekt zu machen. Hierzu musste beim Tabellensechsten in Kirchherten ein Punkt geholt werden. Vor etwa 300 Zuschauern, davon über 200 aus Rheidt-Hüchelhoven, machte die Mannschaft mit einem 0:0 den Titelgewinn perfekt.

Die Sektkorken  knallten noch auf dem Platz und Spielertrainer Guido Dittmann sprach von einem Aufstieg des ganzen Ortes. Am letzten Spieltag konnte man es sich sogar erlauben, alle Spieler einmal auf ihrer Lieblingsposition einzusetzen und so spielten die beiden Torhüter, Ralf Hower und Horst Knüfer gemeinsam im Sturm, wobei Letzterer auch noch mit zwei Toren glänzte. In der Abschlusstabelle belegte man mit  64 Punkten und 63:26 Toren den Aufstiegsplatz. Nachdem auch noch die 2. Mannschaft, wie bereits in der Saison 91/92 die  1. Mannschaft,  den Aufstieg am grünen Tisch schaffte, wollte die D-Jugend den Senioren nicht nachstehen und sicherte sich den Titel als Kreispokalsieger. Weitere Staffelsiege der Jugendmannschaften rundeten das Jahr ab.  

Bereits anlässlich der Hüchelhovener Kirmes präsentierten sich die Mannschaften im Festzug auf einem in Vereinsfarben geschmückten Wagen. Die Seniorenmannschaften feierten die Aufstiege und den Pokalsieg mit einer 3-tägigen Tour in den Westerwald-Treff, während der Vorstand eine standesgemäße Aufstiegsfeier im Festzelt auf dem Dorfplatz in Rheidt organisierte.

Diese Feier, an der mehr als 400 Gäste teilnahmen, war der würdige Abschluss einer außergewöhnlichen Saison.  

Obwohl die Spielvereinigung 1926 Rheidt e.V. in Fachkreisen als potenzieller Abstiegskandidat gehandelt wurde, verkaufte sich die Mannschaft in der neuen Spielklasse recht erfolgreich und belegte Ende der Saison 1996/97 den 9. Tabellenplatz.

Die 2. Mannschaft wurde in der neuen Klasse ebenfalls neunter. Das Abenteuer Bezirksliga ging in ein weiteres Jahr. In dieser Zeit schafften auch aus der 2. Mannschaft viele Spieler den Sprung in die 1. Mannschaft. Dies war auch dringend erforderlich, da einige der Leistungsträger den Verein verlassen hatten. Leider erfüllte sich die Hoffnung auf den Klassenerhalt nicht. Trotz einiger Abgänge an die 1. Mannschaft belegte die 2. Mannschaft einen guten 8. Platz in der Kreisliga B, Gruppe Nord.

Auf eigenen Wunsch beendete Spielertrainer Guido Dittmann nach vier erfolgreichen Jahren seine Arbeit in Rheidt, erklärte sich aber spontan bereit, auszuhelfen, wenn Not am Mann wäre. Ein Angebot, das sowohl der neue Trainer, Hermann-Josef Köcher, als auch Mannschaft und Vorstand gerne  annahmen. Für viele aber war klar, der SV Rheidt wird nun in der Kreisliga A auch durchgereicht. Doch Mannschaft und Trainer bewiesen wieder einmal das Gegenteil. Mit Platz 3 wurde die Relegationsrunde zur Bezirksliga nur knapp verpasst  Die2.Mannschaft stieg leider in die Kreisliga C ab.  

In der Saison 1999/2000 belegte die 1. Mannschaft in der Kreisliga A den 11. Tabellenplatz. Unter Trainer Peter Keulertz stieg die 2. Mannschaft wieder in die Kreisliga B auf.

In der nun abgelaufenen Saison 2000/01 belegte die 1. Mannschaft den 8. Platz in der Kreisliga A, nicht zuletzt ein Verdienst von Adolf Enning, der erneut als Trainer einsprang, als der neu engagierte Trainer kurzfristig wegen einer Erkrankung ausfiel. Die 2. Mannschaft konnte leider den Klassenerhalt in der Kreisliga B  nicht sichern.

Im Jubiläumsjahr gehören dem Verein ca. 500 Mitglieder an, die sich neben dem Fussball im Freizeit- und Breitensport z.b. Tischtennis, Damenturnen, Mutter- und Kindturnen, Inline Skating, Tanzen und Walking betätigen.

 

PS:

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Chronisten haben in mühevoller Kleinarbeit Daten, Fakten und Bilder für diese Chronik zusammengestellt. Es ist uns aufgefallen, dass insbesondere aus den fünfziger und sechziger Jahren Informationen (Bilder, Texte etc.) fehlen. Wer zur Vervollständigung der Vereinschronik etwas beitragen kann und möchte, sollte sich mit den Vorstandsmitgliedern in Verbindung setzen.

Bitte nicht vergessen !!!!!!

Der Vorstand bedankt sich bereits heute für Ihre Unterstützung.